Ausrüstung kaufen statt üben – warum das im Sidemount nach hinten losgeht
Sidemount Tauchen
Es ist ein Muster, das sich immer wiederholt:
Jemand macht seinen ersten Sidemount-Tauchgang, kommt ans Ufer zurück und hat ein Problem entdeckt. Was passiert als Nächstes? Richtig: Es wird gegoogelt. Dann gepostet. Dann gekauft. Festgestellt, dass es nicht funktioniert – und zurück auf Start.
„Willkommen im Rabbithole der ‚Equipment fixes for skillset problems’.”
Das Grundproblem: Kaufen fühlt sich besser an als Üben
Menschen hören nicht gerne, dass Mühe und Motivation gefragt sind. Es ist angenehmer, ein Problem vermeintlich sofort mit einer Kreditkarte zu lösen.
Doch im Sidemount ist das besonders fatal: Die Konfiguration basiert auf einem sehr spezifischen Skillset – und kein Gadget der Welt kann dieses Skillset ersetzen.
Beispiel 1: Der Finimeter lässt sich nicht ablesen – also her mit dem Sender!
Beim ersten Sidemount-Tauchgang liegt die Flasche seitlich, der Finimeter ist schwer zu sehen, der Armwinkel stimmt nicht.
Die typische Reaktion: „Welchen Funksender empfehlt ihr?”
Doch das ist kein Finimeter-Problem, sondern ein **Handgriff-Problem.
„Das SPG ablesen gehört zu den elementaren Handlungen im Sidemount – und es gibt eine richtige Technik dafür.”
Ein Sender löst das nicht – Übung schon.
Beispiel 2: Die Bungees greifen – ein Drama in drei Akten
Jeder kennt es: Die Finger finden das Bungee nicht, man zieht am falschen Ende oder es verschwindet hinter dem Rücken.
Die Reaktion vieler: 3D-gedruckte Laschen, modifizierte Schnallen, selbstgenähte Schlaufen.
Doch: Bungee greifen ist eine motorische Fertigkeit.
Sie entsteht durch Wiederholung, nicht durch Zubehör.
„Viele dieser Tipps … sind nichts anderes als Equipment-Lösungen für Skill-Probleme.”
Beispiel 3: Trim und Tarierung stimmen nicht – also neue Bleikonfiguration?
Wenn die Flasche zieht oder der Trim nicht passt, wird oft sofort an Gewichten herumoptimiert.
Manchmal hilft das – meistens nicht.
„… aber das löst sich bei den meisten Tauchern durch Übung und feines Körperbewusstsein, nicht durch mehr Metall.”
Bewusste Übung ist nicht einfach „tauchen gehen”, sondern gezieltes Training.
Beispiel 4: Handschuhe und Feinmotorik
Im Pool ohne Handschuhe läuft alles gut – im Kaltwasser mit Trockenhandschuhen plötzlich gar nichts mehr.
Die Lösung: Dryruns zuhause.
„Viele dieser Teilfertigkeiten lassen sich trockenen Fußes im Wohnzimmer trainieren.”
Das Prinzip dahinter: Skill schlägt Gadget
Sidemount reagiert empfindlich auf Details: Bungee-Länge, Flaschenbandposition, Körpergröße, Boltsnaps.
Doch weniger ist mehr.
„Wer versucht, jedes Problem mit einem weiteren Ausrüstungsgegenstand zu erschlagen, endet mit einem System, das komplizierter, fehleranfälliger und teurer ist.”
Ein guter Sidemount-Taucher hat seine Skills so verinnerlicht, dass sie zur zweiten Natur werden.
Was tun stattdessen?
Pooltraining nicht unterschätzen
Flaches Wasser, volle Konzentration, keine Ablenkung.
Wirksam, auch wenn es langweilig wirkt.
Dryruns zuhause
Harness anziehen, Bewegungen durchgehen, Handgriffe wiederholen.
Besonders wertvoll vor Kaltwasser-Einsätzen.
Fragen vor dem Kaufen
Nicht Social Media fragen – sondern jemanden, der dich unter Wasser sieht.
Probleme als Skill-Marker begreifen
Ein Problem ist kein Zeichen schlechter Ausrüstung, sondern ein Hinweis, wo der Skill noch nicht sitzt.
„Diese Kurve lässt sich nicht wegkaufen.”
Schlussgedanke
Sidemount ist wunderschön, effizient – und hat eine Lernkurve.
Durch diese Kurve muss man hindurch: mit Geduld, Wiederholung und ehrlichem Üben.
„Das Bungee, das sich heute nicht greifen lässt, macht in drei Monaten keinen Ärger mehr. Versprochen.”
Try Dives und Sidemount-Kurse (SDI & TDI) bei Christof Müller. Basis: Deepstop Schwetzingen. Alle Infos: thinking-diver.com.