Jeder Schritt in meiner Taucherlaufbahn begann mit demselben Satz: Mir fehlt etwas. Kein Masterplan, keine Bucket-List, kein Brevet-Sammeln. Nur diese Frage, die immer dann auftauchte, wenn ich merkte, dass ich auf der Stelle trat — und die sich nie mit Geld oder einer neuen Karte beantworten ließ. Die Antwort war jedes Mal dieselbe: härter trainieren, bei Leuten, die wirklich besser waren. Das hat mich vom OWD bis zum Cave-CCR getrieben. Und es endete fast jedes Mal beim Sidemount.
November-Wasser und ein Backplate von Anfang an
Angefangen hat alles mit einem Gutschein für einen OWD bei einer örtlichen PADI-Tauchschule. Ich bin im November eingestiegen — für eine Tauchausbildung in Deutschland denkbar ungemütlich. Theorie und Pooleinheiten zogen sich durch den ganzen Winter, draußen fertig wurde der OWD erst im Frühjahr.
Im Rückblick war dieser Zufall prägend. Ich habe nicht im warmen Sommerurlaub tauchen gelernt, sondern in kaltem Wasser, über Monate, in kleinen Schritten. Tauchen war für mich von Anfang an Arbeit, nicht Erholung — und das ist nie weggegangen. Mich hat das sofort gepackt: AOWD und Rescue folgten, früh schon im Trockenanzug.
Ein Jacket hatte ich nie. Ich bin direkt auf ein Backplate-Wing-System gegangen, ohne damals die ganze Begründung dafür nennen zu können. Es fühlte sich einfach richtiger an: ein klares System, kein Bündel aus Riemen und Taschen. Erst Jahre später, im GUE-Umfeld, habe ich die Sprache für das bekommen, was damals nur Instinkt war. Aber der Reflex war schon da — und er wurde zum roten Faden.
Das erste Meer
Bis dahin kannte ich nur den trüben See. Ich hatte gelernt, Tiefe anhand von Kälte und Sichtweite zu abzuschätzen, nicht am Computer. Einen Tauchcomputer hatte ich zwar, aber für fünf Sekunden Beleuchtung musste man einen Knopf drücken, und dann stand da schwarze Schrift auf grauem Hintergrund - im schlammigen Seewasser kaum zu lesen. Also blieb die Faustregel: Wenn das Wasser eine bestimmte Temperatur hatte und die Sicht kippte, wusste ich ungefähr, wo ich war. Der See zwingt dich, mit wenig Information präzise zu sein.
Als ich nach etlichen Tauchgängen das erste Mal im Meer war, hat mich das umgehauen. Plötzlich war Wasser ein Raum und keine schwarze Wand. Ich konnte sehen, wohin ich wollte, statt es zu ertasten. Paradoxerweise hat mir gerade die harte Schule des Sees gezeigt, wie viel Spielraum das Meer bietet — und wie wenig die meisten davon nutzen. Diese Faszination ist nie weggegangen.
Der Backkick, über den alle lachten
In dieser Zeit habe ich mir selbst den Backkick beigebracht. Niemand konnte verstehen, warum ich so etwas können wollte; es gab mehr als ein Grinsen am Beckenrand beim sonntäglichen Pooltraining. Ein Backkick war damals etwas für „die mit den komischen Flossen“, nichts für einen Sporttaucher.
Für mich war das kein Trick. Es war die erste klare Erkenntnis, dass Kontrolle im Wasser eine Fähigkeit ist, die man trainiert — und nicht etwas, das man mit der Ausrüstung kauft. Wer rückwärts aus einer Position herauskommt, ohne aufzuwirbeln, hat verstanden, dass Position und Antrieb getrennte Probleme sind. Diese Unterscheidung ist im technischen Tauchen später extrem wichtig geworden. Parallel arbeitete ich über ein Jahr auf den Divemaster hin.
Die Antwort auf „mir fehlt etwas“ war nie eine neue Flasche oder eine neue Karte. Sie war immer dieselbe: härter trainieren, bei Leuten, die wirklich besser waren.
Was um die nächste Ecke liegt
Irgendwann reizte mich nicht mehr das Tauchen an sich, sondern das, was außerhalb meiner Sicht lag: Was liegt eigentlich mitten im See? Was kommt um die nächste Ecke? Wie sieht es dort bei der Insel aus. Ich wollte mehr Gas, um nachzusehen — nicht, um tief zu gehen, sondern um weiter zu kommen.
Das erste Mal, dass ich eine Doppel-12 aufhatte, bin ich nur auf dem Parkplatz damit herumgelaufen — ins Wasser ging es damit noch gar nicht. Kurz darauf sah ich das ikonische Sidemount-Video von Steve Bogaerts, und plötzlich ergab vieles einen Sinn: Sidemount war der Weg, der zu meiner Neugier passte — schlank genug, um dorthin zu kommen, wo es eng wird und wahnsinnig elegant sofern es richtig konfiguriert ist.
Sidemount — erst allein, dann richtig
Zum Sidemount kam ich ohne Hilfe: keine Guides, keine Instruktoren, kein Material, das wirklich getaugt hätte. Nur das Gefühl, taucherisch stehen zu bleiben. Ich habe mir Flaschen umgehängt und herumprobiert — und schnell gemerkt, dass „herumprobieren“ im Sidemount ein guter Weg ist, sich falsche Gewohnheiten einzubrennen und dabei auch noch völlig zu verzweifeln.
Damit stand die Entscheidung: Ich wollte zu Steve Martin in den Sidemount Essentials — heute würde man Fundamentals sagen. Persönliche Gründe machten den Kurs bei ihm unmöglich, und so landete ich bei Peter Tschannen, Sidemount World auf Gozo und dem Verband Innerspace Explorers. Der Basic of Exploration (BOE) und der Sidemount Workshop waren hart und fordernd — und genau das, was ich gebraucht habe. Zum ersten Mal bekam ich Struktur statt Selbstversuch: jemanden, der mir nicht nur sagte, dass etwas nicht stimmte, sondern warum und in welcher Reihenfolge ich es abstellen muss. Das war der Punkt, an dem aus „viel tauchen“ zum ersten Mal „besser werden“ wurde.
Trimix, DPV — und die Lücke im Markt
Bei Audrey Cudel und Tom Steiner folgte der ISE Exploration Diver 1, sprich Trimix. Damit verschiebt sich der Maßstab: Es geht nicht mehr nur um saubere Lage, sondern um Planung, Gase und darum, dass jede Schludrigkeit teurer wird. Den ISE DPV machte ich später ebenfalls auf Gozo — Scooter zwingen dich, Trim und Aufmerksamkeit bei höherem Tempo zu halten, was jeden Fehler in den Grundlagen gnadenlos sichtbar macht.
Zwischendurch fing ich bei Deepstop.de im Verkauf an und beriet dort vor allem in Sachen Sidemount. Da wurde mir etwas klar, das damals galt und bis heute gilt: Jemanden zu finden, der Sidemount wirklich gut berät — Konfiguration, Bleiverteilung, Flaschenwahl, Körperbau — ist Mangelware. Es gibt viel Verkauf und wenig Beratung. Genau diese Lücke hat meine Richtung geschärft — und sie zu füllen ist bis heute mein Job dort: Wer eine Sidemount-Konfiguration sucht, die zum Körper und zum Tauchprofil passt, statt zum Regalbestand, ist bei mir an der richtigen Adresse.
GUE-Land und die Doppel-12
Ich unterrichte seit 1996 als IT-Dozent — irgendwo zwischen 50.000 und 60.000 Menschen sind über die Jahre durch meine Kurse gegangen. Wenn man so lange lehrt, lernt man eine Sache: Wissen zu haben und Wissen vermittelbar zu machen, sind zwei völlig verschiedene Disziplinen. Tauchlehrer wollte ich trotzdem nie werden.
Aber bei Deepstop, faktisch GUE-Land, kommt man an der Doppel-12 nicht vorbei. Also machte ich meine GUE Fundamentals bei Hans Drexler. Als ich die Doppel-12 dann tatsächlich tauchte, verstand ich, warum alle von einem aufgeräumten, cleanen, aerodynamischen Setup sprechen — und das stimmt auch. Ich kam nur vom Sidemount und fühlte mich beim ersten Mal wie ein Kühlschrank, der schwimmen gelernt hat: hinten dran zwei Flaschen, die ich weder sehen noch anfassen konnte, und mein Sidemount-Hirn hat die ganze Zeit nach ihnen getastet wie nach dem Lichtschalter im fremden Hotelzimmer. Die Doppel-12 war tadellos — irritiert war nur ich. Beide Wege funktionieren.
Die GUE-Schule hat mir die Begriffe und die Disziplin gegeben für das, was vorher nur Bauchgefühl war: Trim, Tarierung, Team, Standardisierung — nicht als Schlagworte, sondern als überprüfbare Standards. Sie hat mein Tauchen messbar gemacht. Um bei GUE selbst ausbilden zu dürfen, kam bei Derk Remmers der GUE Tec 1 dazu — und anschließend die Instructor Examination (IE), nach der ich GUE Fundamentals unterrichten darf.
Sidemount-Tauchen und -Unterrichten fand in diesem Umfeld trotzdem kaum statt — und genau das ist mein Platz. Also holte ich den SDI/TDI-Instructor nach, die Zertifizierung, unter der ich Sidemount lehre. Was ich bei GUE gelernt habe, fließt dabei in die Lehrqualität ein: Genau diese Kombination — GUE-Standards, umgesetzt in einem Sidemount-Kurs unter SDI/TDI — ist heute das, was ich anbiete.
Höhle, Sidewinder, CCR
Schon vor den GUE Fundamentals hatte ich bei Kim Davidsson bei Protec Tulum mit dem Höhlentauchen begonnen. Kim ist Schwede und Mitinhaber von Protec; er unterrichtet seit 2009 hauptberuflich Höhle und erkundet die Systeme der Riviera Maya seit über zwei Jahrzehnten — einer der erfahrensten Cave-Instruktoren, die man finden kann. Bei ihm war der Full Cave der erste Schritt; danach kamen der Stage Cave und der Cave DPV. Die Höhle ist der ehrlichste Lehrer, den es gibt: Sie verzeiht keine schlechte Grundlage, weil es nach oben keinen Ausweg gibt. Alles, was im Freiwasser nur unschön ist, wird hier zum Problem.
Kim wurde ein guter Freund. Ich verbringe inzwischen fast jeden Urlaub in Tulum, um mit ihm zu tauchen und zu lernen. Er hat mir geraten, mir einen Sidewinder zuzulegen, und mich dabei unterstützt. Danach kamen 200 Stunden auf dem Gerät — die Phase, in der ein CCR vom Fremdkörper zum verlängerten Atem wird.
Dann kam Kim auf mich zu und sagte, er wolle den Cave CCR gemeinsam mit mir bei Jake Bulman machen — als Schüler, neben mir. Hart war es, weil sich hier alles überlagert: Im geschlossenen Kreislauf gibt es keine einfache Antwort mehr. Jedes Problem, das ich im offenen Kreislauf mit einem Griff löse, wird am CCR zur Kette aus Entscheidungen — Loop, Bailout, Hyperkapnie — und die trifft man in einer Umgebung ohne Ausweg nach oben, während Navigation, Gas und Team-Position einfach weiterlaufen. Dass ein Mentor sich entscheidet, neben dir wieder Schüler zu sein, sagt mehr über die richtige Haltung zum Lernen als jedes Brevet. Es war der Kurs, der mich am meisten gefordert hat.
Den Schlusspunkt meiner Tauchausbildung setzte der Cave Survey, wieder bei Kim — vom Tauchen zum Vermessen und Kartieren. Der Punkt, an dem aus „durch die Höhle kommen“ „die Höhle festhalten“ wird.
Heute
Heute arbeite ich mich die TDI-Instruktorenleiter weiter nach oben. Nicht, weil ein Plan es vorgibt, sondern weil Sidemount für mich passt — und weil dieselbe Frage von vor 15 Jahren noch funktioniert: Was fehlt mir noch? Was sich verändert hat, ist nur die Antwort. Früher fehlte mir ein Kurs. Heute fehlen der Szene in Deutschland Instruktoren, die Sidemount mit dem Fundament unterrichten, das ich mir über Jahre zusammensuchen musste.
Mein Weg war nie eine Sammlung von Brevets. Er war die Weigerung, stehen zu bleiben — und die Bereitschaft, mir die Leute zu suchen, die wirklich besser waren, statt mir einzureden, ich sei schon angekommen. Genau das steckt heute in jedem Kurs, den ich gebe.
Sidemount lernen — mit GUE-Fundament
Wer Sidemount auf diesem Fundament aufbauen will, statt Ausrüstung zu kaufen und zu hoffen: Der Einstieg in die Sidemount-Ausbildung führt über den TDI Intro to Tech, den ich in Sidemount nach GUE-Standards unterrichte. Kursanfrage stellen
Ausrüstung & ehrliche Sidemount-Beratung: Deepstop.