Als ich mit Sidemount angefangen habe, gehörte der Breakaway am Longhose einfach dazu. In den Kursen, die ich damals besucht habe, war er Pflicht. Das war der Weg, den ich gelernt habe, und später auch der Weg, den ich in meinen eigenen Sidemount- und Advanced-Nitrox-Kursen unterrichtet habe.
Dann war ich mit ein paar meiner Schüler in Tulum, die dort bei Protec ihren Full Cave gemacht haben. Das Erste, was an ihrer Konfiguration angesprochen wurde, war der Breakaway: runter damit, fester Boltsnap. Bei Protec wird sehr genau hingeschaut, entsprechend ernst habe ich das genommen. Es war die Anmerkung eines Instruktors zu dieser einen Konfiguration, keine schriftliche Regel, die ich hier zitieren könnte.
Das hat mich im ersten Moment irritiert. Für mich war der Breakaway jahrelang Standard, und vielleicht ist er es inzwischen nicht mehr. Ich habe seitdem viel darüber nachgedacht. Mein Ergebnis vorweg: Es hängt weniger an der Hardware als an zwei Dingen, nämlich wie sicher dein Griff unter Stress sitzt und wo und mit wem du tauchst.
Warum es den Breakaway überhaupt gibt
Im Sidemount atmen wir beide Flaschen abwechselnd, damit sie gleichmäßig leer werden. Die Hälfte der Zeit steckt der Longhose also nicht im Mund. Er hängt mit dem Boltsnap am Brust-D-Ring. Im Backmount stellt sich die Frage kaum, da atmet man den Longhose ohnehin und gibt ihn bei einer Spende direkt aus dem Mund.
Der Ernstfall, auf den ich hintrainiere, sieht bei uns so aus: vier Grad Wasser, eine halbe Stunde Deko, in der man sich kaum bewegt und langsam auskühlt. Dicke Trockenhandschuhe, darunter Unterziehhandschuhe, die Fingerkuppen sind taub und die Nägel tun schon weh. Dazu Stress, denn wenn dieser Griff gebraucht wird, läuft gerade etwas schief.
In der klassischen Longhose/Shorthose-Konfiguration kommt noch etwas dazu: Es gibt keinen zweiten Spendeweg. Der Automat am Shorthose hängt am Necklace eng unter dem Kinn und ist zum Übergeben schlicht zu kurz. Gespendet wird über den Longhose.
Hier setzt der Breakaway an. Kräftig am Schlauch ziehen, die Sollbruchstelle gibt nach, der Automat ist frei. Kein Gefummel am Boltsnap mit tauben Fingern.
Meinen Schülern sage ich bis heute: Eine Atemgasspende muss auch mit kalten, tauben Fingern und dicken Handschuhen klappen. Wer den Boltsnap so nicht abgeklippt bekommt, für den ist der Breakaway die naheliegende Lösung.
Der Haken an der Sache
Abklippen lässt sich üben, auch unter Stress. Mit genug Wiederholungen geht der Boltsnap auch mit tauben Fingern flüssig auf. Bei mir war es jedenfalls so.
Wichtiger finde ich etwas anderes. Ein Breakaway soll bei Zug nachgeben, und dem O-Ring ist es egal, ob ich ziehe, weil ich spenden will, oder ob sich der Schlauch gerade an einer Leine verhakt hat. Zug auf dem Schlauch gibt es ständig: in einer Engstelle, beim Umklippen von Stages, wenn der Buddy danach greift oder einfach durch die Anströmung beim Scootern.
Ein Beispiel aus meinem eigenen Tauchen: Mit dem Sidewinder am Scooter drückt über lange Strecken Wasser gegen Schläuche und Material. Ein älterer, poröser O-Ring oder ein selbst gedruckter Clip kann sich dabei lösen, ohne dass ich es mitbekomme.
Das zweite Problem ist das Alter. Gummi wird porös, dünne Leine scheuert durch, und bei einem gedruckten Clip hängt die Auslösekraft stark davon ab, wie und woraus er gedruckt wurde. Die ganze Idee lebt davon, dass der Breakaway bei einer bekannten Kraft aufgeht. Bei einem gealterten O-Ring ist diese Kraft eine Schätzung.
Klar, man kann einen Breakaway pflegen. O-Ringe regelmäßig tauschen, Ersatz ins Save-a-Dive-Kit, fertig. Auf dem Level, auf dem man sich über so etwas Gedanken macht, ist das kein Thema. Damit ist aber nur das Alter erledigt. Auch ein nagelneuer O-Ring geht auf, wenn der Schlauch an der Leine hängen bleibt.
„Murphy ist Höhlentaucher. Und er sucht sich den schlechtesten aller Momente aus.“
Unterm Strich stehen sich zwei Arten zu versagen gegenüber. Der feste Boltsnap macht mir genau dann Arbeit, wenn ich spenden muss: Das Abklippen dauert länger. Der Automat bleibt aber, wo er ist, und das Problem liegt in meiner Hand. Den restlichen Tauchgang über passiert mit ihm nichts.
Beim Breakaway ist es umgekehrt. Bei der Spende hat er die Nase vorn, sein Problem liegt im ganz normalen Tauchgang. Er kann aufgehen, ohne dass es jemand merkt. Dann hängt der Longhose lose unter mir, schleift durchs Sediment oder verheddert sich in der Leine. Und wenn er gebraucht wird, ist er nicht da, wo die Hand ihn sucht.
Den Vorteil des Breakaway habe ich also in dem einen seltenen Moment, in dem gespendet wird. Das Risiko nehme ich auf jeden Tauchgang mit.
Dazu kommt, dass der Boltsnap nur ein Handgriff von mehreren ist. Der Longhose muss auch aus seiner Führung, sauber ausgelegt und übergeben werden. Wenn das nicht sitzt, hilft auch der Breakaway wenig.
Es kommt darauf an, wo du tauchst
Diese Rechnung geht allerdings von einem eingespielten Team aus. Im Sidemount haben wir doppelte Redundanz, zwei komplett unabhängige Gasversorgungen. Damit mein Tauchpartner an meinen Longhose muss, braucht es bei ihm einen Doppelfehler.
In so einem Team kommt ein Out of Gas selten aus heiterem Himmel. Eher zeigt der Partner an, dass er Gas verliert, wir teilen und entspannen die Situation, bevor es eng wird. Da ist Spielraum drin, und die paar Sekunden, die der Breakaway spart, fallen kaum ins Gewicht. Ob es so läuft, hängt aber stark davon ab, wo und mit wem du tauchst.
Höhle
Hier sprechen für mich die stärksten Argumente gegen den Breakaway. Ein loser Longhose verfängt sich in der Leine oder in der nächsten Engstelle, und nach oben geht es nicht raus. Gleichzeitig haben die meisten, die Höhle tauchen, das Abklippen so oft geübt, dass es sitzt.
Technisches Freiwasser mit Deko
Das liegt dazwischen. Wegen der Deko geht es auch hier nicht einfach nach oben, aber es gibt keine Decke über dir, an der sich ein loser Schlauch verhaken kann, höchstens mal eine Bojenleine. Und meistens taucht man hier mit Leuten, die man kennt, nach einem gemeinsamen Plan.
Freizeittauchen
Im Freizeitbereich ist es noch mal anders. Zusammengewürfelte Gruppen, Leute, die man vor dem Briefing noch nie gesehen hat, sehr unterschiedliche Skills und auch mal böse Überraschungen. Die Vorwarnzeit, von der ich oben ausgegangen bin, gibt es hier oft nicht.
Und wenn mein Gegenüber sowieso schon einen gebrauchten Tag erwischt hat, macht jede Sekunde, die ich am Boltsnap herumfummle, es für ihn schlimmer. Vieles hat man da einfach nicht selbst in der Hand. Wer den Griff unter Stress noch nicht sicher hat, ist hier mit einem Breakaway gut beraten.
Meine Empfehlung
Am Ende hängt es an einer Sache, die nur du selbst beantworten kannst: ob du den Boltsnap in der Kälte, mit dicken Handschuhen und unter Stress zuverlässig abgeklippt bekommst.
Wenn nicht, kann ein Breakaway im Freiwasser sinnvoll sein. Ein loser Longhose ist dort ein lösbares Problem, und ohne Dekopflicht bleibt im Notfall immer noch der Weg nach oben.
Wenn der Griff sitzt, brauchst du die Sollbruchstelle nicht, und ein fest angeknoteter Boltsnap ist das kleinere Übel. Je weiter es Richtung Höhle oder Bergwerk geht, desto weniger kannst du dir einen Schlauch leisten, der unbemerkt irgendwo herumhängt.
Mit festem Boltsnap
- Mit Cave Line anknoten und den Knoten bei jedem Zusammenbau kontrollieren.
- Abklippen und Spenden regelmäßig üben, am besten am Ende des Tauchgangs, wenn die Hände kalt sind. Am Anfang mit warmen Fingern klappt es immer.
- Der Griff muss blind sitzen, im Trimm und mit den Handschuhen, die du auch im Winter trägst. In der Longhose/Shorthose-Konfiguration gibt es keinen zweiten Spendeweg.
Mit Breakaway
Behandle ihn wie jedes andere sicherheitsrelevante Teil. Immer dasselbe Material, feste Tauschintervalle, ein Blick drauf vor jedem Tauchgang und Ersatz im Save-a-Dive-Kit. Bei einem O-Ring, der seit drei Saisons dranhängt, weiß niemand mehr, bei welcher Kraft er aufgeht.
Bekehrt hat mich Tulum nicht, aber es hat mich dazu gebracht, eine alte Gewohnheit noch einmal durchzurechnen. Wer das anders sieht: Schreib mir, ich lasse mich gern überzeugen.
Longhose-Handling, Spende und Flaschenwechsel mit Stage- und Deko-Flaschen, mit Handschuhen im Freiwasser: systematisch lernen im TDI Sidemount Diver.