Welche Flasche für Sidemount? Typ und Größe im Vergleich

Alu, schwerer Stahl, leichter Stahl: warum die 12-l-Leichtstahlflasche für deutsche Seen der beste Kompromiss ist

Welche Flasche für Sidemount? Typ und Größe im Vergleich

In fast 15 Jahren Sidemount-Tauchen habe ich so ziemlich jeden Flaschentyp unter Wasser gehabt. Angefangen habe ich mit 8,5-l-Stahl, bin zu AL80 (80 Kubikfuß Aluminium) gewechselt, dann auf schwere 12-l-Stahlflaschen und tauche nun seit vielen Jahren leichte Stahlflaschen. Jeder Typ hat seine Berechtigung, und jeder hat einen klaren Preis, den man dafür zahlt. Was ich nicht verstehe: warum hierzulande so viele zu Aluflaschen greifen, wenn es weder finanziell noch logistisch sein muss.

Dieser Artikel ist keine Anfänger-Materialkunde, sondern meine Begründung für eine konkrete Wahl im kalten See.

Warum die Flaschenwahl im Sidemount mehr zählt als im Backmount

Im Sidemount ist die Flasche seitlich am Körper befestigt und beeinflusst Trim direkt. Zwei Eigenschaften entscheiden über alles Weitere:

  • Auftriebsverlauf von voll zu leer. Während des Tauchgangs verbrauchst du Gas, die Flasche wird leichter und damit positiver. Wie groß diese Differenz ist, bestimmt, wie sehr sich ihre Ausrichtung über den Tauchgang verändert.
  • Die Flasche als Teil des Gewichtssystems. Eine Flasche, die so negativ ist, dass du sie als Ballast einrechnest, kannst du im Notfall nicht abwerfen, ohne sofort auftriebspositiv zu werden. Eine Flasche, die gegen Ende neutral ist, ist sauber abtrennbar. Genau an diesen zwei Punkten trennen sich die Typen.

AL80 (Aluminium, 80 Kubikfuß)

Das ist der Typ, den ich in Deutschland am wenigsten nachvollziehen kann, sofern es keinen echten finanziellen oder logistischen Grund gibt (Urlaubsdestination, Mietflaschen, kein eigenes Material).

Aluminium ist leer deutlich positiv. Diesen Auftrieb musst du mit Blei kompensieren. Für deutsche Seen ist das der entscheidende Punkt: Im Trockenanzug mit dickem Unterzieher gleichst du ohnehin schon viel Auftrieb aus. Mit der Aluflasche kommt auf diesen Bleiberg eine weitere Portion obendrauf, die bei einer Stahlflasche nicht nötig wäre.

Dieses Blei liegt im Sidemount typischerweise am Harness auf dem Rücken, also genau dort, wo es dir in den Lendenbereich drückt. Wer Rückenprobleme hat, merkt den Unterschied nicht erst im Wasser, sondern beim Aufstehen aus der Hocke mit angelegtem Material.

Dabei sollte man das Balanced Rig im Auge behalten. Jedes Kilo Blei, das die Aluflasche verlangt, erhöht den Abtrieb, mit dem du am Anfang des Tauchgangs ins Wasser gehst. Zwei Dinge müssen danach immer noch zusammenpassen. Die Blase muss diesen Abtrieb mit Reserve tragen, nicht am Anschlag ihres maximalen Auftriebs arbeiten. Und der Aufstieg muss auch dann noch machbar sein, wenn die Blase ausfällt. Beide Rechnungen werden mit jedem zusätzlichen Kilo auf dem Rücken enger.

Dazu kommt das Flaschengewicht selbst. Eine AL80 liegt leer bei rund 14,5 kg, eine 12-l-Leichtstahlflasche bei rund 12,2 kg. Das sind gut 2 kg pro Flasche, im Sidemount also rund 4,5 kg mehr auf dem Weg zum Wasser, bevor ein einziges Gramm Zusatzblei dazukommt. Die Aluflasche ist damit die bleilastigere und die schwerere Wahl.

Beides landet auf dem Weg zum Einstieg. Jedes zusätzliche Kilo wird getragen, oft über Schotter, Treppen oder eine Böschung. Bei Hüft- oder Knieproblemen ist das der Teil des Tauchgangs, der dich gesundheitlich am meisten kostet.

Praxisrelevanz: Für Taucher, die Sidemount aufgrund von Rücken-, Hüft- oder Knieproblemen gewählt haben, ist das kein Komfortthema.

Für lange, tiefe Tauchgänge im kalten See ist AL80 damit die Wahl, die dir am meisten überflüssiges Blei aufzwingt, unter Wasser und auf dem Weg dorthin.

Schwere Stahlflaschen

Das andere Extrem. Schwerer Stahl ist über den gesamten Tauchgang stark negativ, auch leer. Der Vorteil: kaum oder kein Zusatzblei nötig.

Der Preis ist ein anderer. Die Flasche wird Bestandteil des Gewichtssystems, weil du ihren negativen Auftrieb fest einrechnest. Und sie fühlt sich im Sidemount nicht geschmeidig an. Es ist eher wie Tauchen auf Schienen. Die seitliche Beweglichkeit und das feine Austarieren, das den Sidemount ausmacht, gehen verloren. Im Ergebnis fühlt es sich dem klassischen Doppelpack auf dem Rücken erstaunlich ähnlich an, nur eben seitlich. Wer Sidemount wegen der Lage- und Trimkontrolle taucht, gibt damit einen Teil des Grundes wieder auf.

12-l-Leichtstahlflasche: mein Kompromiss für deutsche Seen

Für mich ist das der Sweet Spot, und zwar aus mehreren Gründen gleichzeitig:

  • Gegen Ende relativ neutral. Bei rund 40 bar Restdruck ist die Flasche nahezu neutral. Sie ist damit kein fester Bestandteil des Gewichtssystems und lässt sich sauber abwerfen.
  • Kein Mehrblei gegenüber Alu. Sie braucht nicht mehr Blei als eine Aluflasche, sondern weniger. Der Bleiberg auf dem Rücken bleibt klein, und nichts drückt unnötig in den Rücken.
  • Gut handhabbar unter Wasser. Sie lässt sich einfach clippen, verschieben und kontrollieren, ohne das „Schienen“-Gefühl der schweren Stahlflasche.
  • Genug Gas für interessante Tauchgänge. 12 Liter geben dir ein Volumen, mit dem sich auch anspruchsvollere Profile sinnvoll tauchen lassen.

Sie bringt das geringe Blei der Stahllösung mit, ohne deren Schienen-Charakteristik, und bleibt handhabbar, ohne den Auftriebsballast der Aluflasche.

7-l-Aluminium: Bailout und entspannte Flachtauchgänge

Aluminium hat bei mir trotzdem seinen Platz, nur nicht als Hauptflasche für einen kalten, tiefen Tauchgang.

  • Als Bailout-Flasche am CCR. Hier ist die 7-l-Alu eine saubere Lösung.
  • Für entspannte Flachtauchgänge. Wenn ich auf zwei, drei Metern im Nassanzug, in warmem Wasser, einfach ein bisschen vor mich hin dümpeln und Fische schauen will, ist die kleine Aluflasche genau richtig.

Sobald ich aber meinen Sidewinder ernsthaft tauche, will ich meine 12-l-Leichtstahlflaschen dabeihaben, schlicht weil sie mehr Bailout liefern. Und nichts ist besser als mehr Bailout.

Übersicht

Flaschentyp Leergewicht Auftrieb leer Blei nötig Handling im Sidemount Mein Einsatz
AL80 (Alu, 80 cuft) ca. 14,5 kg deutlich positiv viel gut, aber bleilastig nur wenn nötig (Destination, Miete)
Schwerer Stahl je nach Modell stark negativ wenig/keins „auf Schienen“, Teil des Gewichtssystems selten, verliert Sidemount-Vorteil
12 l Leichtstahl ca. 12,2 kg nahezu neutral wenig sehr gut, abwerfbar Hauptflasche, kalter See
7 l Alu leicht positiv keins leicht, klein CCR-Bailout, flache Spaßtauchgänge

Fazit

Es gibt nicht die eine richtige Flasche, aber es gibt für ein gegebenes Profil eine richtige Wahl. Für ernsthaftes Sidemount im kalten deutschen See ist die 12-l-Leichtstahlflasche für mich der beste Kompromiss: wenig Blei, sauber abwerfbar, gut zu handhaben, genug Gas. Die Aluflasche zahlt sich erst aus, wenn ein finanzieller oder logistischer Grund dafür spricht, nicht als Default. Und schwerer Stahl löst zwar das Bleiproblem, kostet dich aber genau das, wofür du Sidemount tauchst.

Wähle die Flasche nach dem Auftriebsverlauf und danach, ob sie Teil des Gewichtssystems sein soll, nicht nach dem Anschaffungspreis allein.

Flaschenwahl, Bleimenge und Balanced Rig sind Thema im SDI Sidemount Diver und im TDI Sidemount Diver.